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Alte Landkarten

Das ganze Land auf einen Blick – frühe Karten des Bistums Münster

Die Landkarten des 16. und 17. Jahrhunderts dienten nicht dazu, den kürzesten, schnellsten oder schönsten Weg von A nach B zu finden, sondern sollten dem jeweiligen Herrscher – aber auch z.B. Kaufleuten oder Gelehrten – einen Überblick über Städte, Dörfer, Burgen, Klöster und nicht zuletzt über die Grenzen eines Gebietes ermöglichen. Deshalb wird hier der Frage nach der Genauigkeit der Karten auch nicht nachgegangen. Das ist an anderer Stelle schon ausführlich geschehen (s. Literaturangaben).

Die Kugelgestalt der Erde war seit der Antike bekannt, ebenso die Bestimmung einer Ortslage durch die Angabe geografischer Koordinaten mittels der gedachten Längen- und Breitenkreise um die Erde. Als Nullmeridian, d.h. als der Längenkreis, von dem aus die Zählung in westlicher bzw. östlicher Richtung begann, wurde seit der Antike in weiten Teilen Europas der Meridian angenommen, der durch die Kanarische Insel Ferro (El Hierro) verläuft. Erst 1884 legte man als Nullmeridian international den durch Greenwich in England fest.

Die Kartografen der frühen Neuzeit erarbeiteten ihre Karten nur teilweise durch Landvermessungen vor Ort, sondern konnten in großem Maß auf vorliegende Koordinatentabellen zurückgreifen. Außerdem zogen sie Reiseberichte und Entfernungsangaben zu Rate und führten Korrespondenzen mit Personen der Gegenden, für die sie Karten erstellen wollten.

Die seit 1492 rasch voranschreitende Entdeckung und Eroberung der Neuen Welt hatte den Wunsch nach Karten stark gefördert, um die europäische Expansion wenigstens auf Papier nachvollziehen zu können. Die jetzt entstehenden prächtig gestalteten Schmuckwandkarten dienten der Repräsentation und sollten sichtbares Zeugnis ablegen für die Bildung und Weltoffenheit ihrer Besitzer.

Die Neugier auf die neuen und neuesten Entdeckungen lenkte andererseits aber auch den Blick auf den engeren Umkreis und seine Einordnung in das große Erdgefüge. So entstanden „Kartenbücher“, indem geschäftstüchtige Verleger Karten verschiedener Gebiete sammelten und sie in einheitlichen Formaten, oft mit Namensangabe des Kartografen in Kupferplatten nachstechen ließen – daher stammt der Begriff „abkupfern“. Sie erschienen unter Titeln wie „Theatrum Orbis Terrarum“ (Schauplatz / Abbild der ganzen Welt) oder „Speculum Orbis Terrarum“ (Spiegel / Abbild der ganzen Welt).

Erst Gerhard Mercator benutzte für sein Werk den Titel „Atlas“ nach einem sagenhaften antiken sehr gelehrten König, der den ersten Globus gefertigt haben soll. Mercators „Atlas“ wurde in seiner Zeit so berühmt, dass seitdem ein Kartenwerk, das inhaltlich zusammengehörende Karten in einheitlicher Gestaltung vereint, als Atlas bezeichnet wird. Die Karten und Sammelwerke wurden als schwarz-weiß-Drucke verkauft. Die Kolorierung der Blätter wurde zunächst den Besitzern überlassen. 1618 war der Amsterdamer Verleger Willem Janszoon Blaeu der erste, der in seiner Werkstatt Mitarbeiter beschäftigte, die auf Wunsch die Kolorierung vornahmen.

Gottfried Maschop

Die älteste bekannte Karte des Bistums Münster (zusammen mit dem Bistum Osnabrück) fertigte Gottfried Maschop (auch Godfried Mascop oder Godefrido Mascopius genannt). Über seine Biografie ist nur wenig bekannt. Geboren wurde er vor 1550 wahrscheinlich in Emmerich am Niederrhein. Von 1572 bis 1574 schuf er im Auftrag des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel einen Atlas dieses Fürstentums. Ab 1575 stand er als Kartograf im Dienst des Mainzer Fürstbischofs Daniel Brendel von Homburg. Er starb nach 1603.

Die Karte der Bistümer Münster und Osnabrück von 1568 ist das erste von ihm überlieferte Werk. Sie erschien wahrscheinlich unter dem Titel „MONASTERIENSIS ET OSNABRVGENSIS EPISCOPATVS DESCRIPTIO AVCTORE GODEFRIDO MASCOP EMBRICENSE“ (Beschreibung der Bistümer Münster und Osnabrück durch den Verfasser Gottfried Maschop aus Emmerich). Aus Quellen ist zu erschließen, dass sie das Datum 23. August 1568 trug und dem Bischof von Münster und Osnabrück, Johann von Hoya (1529–1574, seit 1553 Fürstbischof von Osnabrück und seit 1566 von Münster), gewidmet war, dem Maschop auch ein Exemplar schenkte. Ein Originalblatt dieser ersten Ausgabe konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Schon am 10. September 1568 gab Maschop einen Neudruck (Reiterata) dieser Karte heraus, ebenfalls mit einer Widmung an den Bischof, gestochen von Remigius Hogenberg. Es handelte sich um einen Kupferstich, zusammengesetzt aus neun Blättern in drei Reihen übereinander mit einer Gesamtgröße von 103,0×79,5 cm. Die Karte war ostorientiert und hatte den Maßstab ca. 1:160.000. Von dieser Auflage war vor dem Zweiten Weltkrieg noch ein Exemplar in der Stadtbibliothek in Breslau vorhanden.

Spätestens 1569 legte Maschop diese Karte erneut auf, aber mit einem verkleinerten Maßstab, nämlich ca. 1:320.000. Von dieser Ausgabe ist bisher ebenfalls kein Exemplar sicher nachgewiesen. Der Erscheinungsort dieser ersten drei Auflagen der Karte ist nicht überliefert, könnte aber Köln gewesen sein. Der Stecher der zweiten Auflage, Remigius Hogenberg, war ein Bruder des Franz Hogenberg, der zusammen mit Georg Braun 1576 in Köln das berühmte Sammelwerk von Stadtansichten „Civitas Orbis Terrarum“ (Städte der Welt) herausgab. Die Ansicht der Stadt Münster in diesem Städtebuch war eine verkleinerte Kopie der Ansicht der Stadt von Südwesten, die auch Remigius Hogenberg 1570 nach einer Zeichnung des Münsteraner Malers Hermann tom Ring gestochen hatte. Die Welt der Spezialisten war offensichtlich schon damals klein, und man arbeitete zusammen.

Die Karte ist heute nur durch Nachstiche in noch einmal verkleinerten Maßstäben bekannt. Die beiden frühesten Nachstiche werden hier vorgestellt:

REITERATA EPICOPATVS MONASTERIENSIS GEOGRAPHICA DESCRIPTIO CVI ADDITA EST ET OSNABRVGENSIS PER GODEFRIDIV MASCHOP EMBRICESEM COSMOGRAP.

(Neudruck der geografischen Beschreibung des Bistums Münster, ergänzt durch das Bistum Osnabrück von dem Weltbeschreiber Gottfried Maschop aus Emmerich)

Die beiden Brüder Johann und Lukas van Doetechum arbeiteten als Stecher im Auftrag von Gerard de Jode, Kupferstecher, Kartograf und Verleger in Antwerpen (geb. 1509 oder 1517 in Nimwegen, gest. 25. Februar 1591 in Antwerpen), der seit 1560 in schneller Folge Karten der wichtigsten Länder herausgab. 1573 fasste er die Karten nach dem Vorbild seines ärgsten Antwerpener Konkurrenten Abraham Ortelius in einem Weltatlas unter dem Titel „Speculum orbis terrarum“ (Spiegel / Abbild der ganzen Welt) zusammen, der 1578 noch einmal aufgelegt wurde. Die Atlanten de Jodes verkauften sich aber nicht so gut wie die des Ortelius.

Die Karte ist ostorientiert, mit drei Meilenmaßstäben versehen, aber ohne Gradnetz. Ein Gewässernetz gliedert die Karte. Über Geländeerhebungen und Bodenbedeckung geben nur wenige Signaturen Auskunft. Die Orte sind durch unterschiedliche Signaturen und Schriftarten in ihrer Größe und Bedeutung charakterisiert. Territoriengrenzen sind als feine gepunktete Linien eingetragen. Die Namensangaben für die Territorien unterscheiden sich in Größe und Typographie deutlich von den Ortsnamen. Sie sind in deutscher Sprache abgefasst und korrekt, während die Ortsnamen meist nicht richtig sind. Möglicherweise hat Gottfried Maschop das von ihm kartierte Gebiet nicht gut gekannt, oder der flämische Stecher der zweiten Auflage der Karte, Remigius Hogenberg, hat die Namen nach seiner Sprache umgeändert. Die Brüder van Doetechum sind nicht verantwortlich für die verderbten Ortsnamen, da sie in dieser Form auch auf der von Ortelius herausgegebenen Maschop-Karte erscheinen. Die Textkartusche unten links – in lateinischer Sprache – fasst beide Bistümer unter dem Namen „Westfalen“ zusammen und gibt Hinweise zur geografischen Lage und zur Geschichte des Gebietes. Auffallend ist dabei, dass die Bemerkungen zur Geschichte nach jüdischer Zeitrechnung angegeben sind.

Die Rückseite ist mit einem lateinischen Text über Westfalen bedruckt.

MONASTERIENSIS ET OSNABVRGENSIS EPISCOPATVS DESCRIPTIO. Auctore Godefrido Mascop Embricense

(Beschreibung der Bistümer Münster und Osnabrück, Verfasser Gottfried Maschop aus Emmerich)

Der Antwerpener Kartenhändler Abraham Ortelius (1527–1598) kam als erster auf die Idee, eine gebundene Sammlung thematisch zusammenhängender Karten gleichen Formats und gleichen Stils zu veröffentlichen. Erstmals 1570 brachte er sein „Theatrum Orbis Terrarum“ heraus. Das Werk war ein durchschlagender Erfolg und erschien bis 1612 in 42 immer wieder verbesserten und erweiterten Auflagen.

Der hier gezeigte Nachstich der Karte von Gottfried Maschop von 1569 aus dem Atlas des Ortelius ist nordostorientiert. Das Blatt stammt aus der Erstausgabe von 1570, da den Karten der folgenden Auflagen teilweise ein Gradnetz hinzugefügt wurde und z.B. auf der Karte der Bistümer Münster und Osnabrück Orte nachgetragen wurden, die auf diesem Exemplar noch nicht eingezeichnet sind. Die Karte hat links unten eine Legende, darunter einen dreifachen Meilenmaßstab. Links unten zeigt eine Windrose die Orientierung an.

Die Karte ist durch das Gewässernetz gegliedert. Geländeformation und Bodendeckung sind durch sparsame „Maulwurfshügel“ und Baumsignaturen angegeben. Die Orte sind – wie bei der Ausgabe der Karte von de Jode – durch unterschiedliche Signaturen und Schriftarten in ihrer Größe und Bedeutung charakterisiert. Zusätzlich werden die unterschiedlichen Signaturen in der lateinischen Legende erklärt. Territorialgrenzen sind durch feine gepunktete Linien angegeben. Die Namen der Territorien – in deutsch-lateinischer Sprache – sind typographisch deutlich hervorgehoben. Bei dem Exemplar der Karte des Stadtmuseums wird die Unterscheidung der Territorien noch durch die Kolorierung unterstützt.

Christian Sgroten

Die nächstälteste Karte des Bistums Münster wurde von Christian Sgroten (oder s’Grooten oder Schrot u.a.) gezeichnet. Er war zu seiner Zeit einer der bekanntesten Kartografen, hoch geschätzt von seinem heute weit berühmteren Kollegen Gerhard Mercator. Geboren wurde er in Sonsbeck bei Xanten am Niederrhein um 1525/1530. Als Maler und Kartograf war er in Kalkar tätig, wo er 1603 auch starb. Um 1555 begann er mit der Kartierung des niederrheinischen Gebietes. Seit 1557 stand er mit hoher regelmäßiger Besoldung als Hofkartograf in den Diensten des spanischen Königs Philipp II. mit dem Auftrag, die niederländischen Provinzen und die benachbarten Territorien zu kartieren.

Die südlichen und nördlichen Niederlande waren damals noch Teil des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation und unterstanden dem spanischen Zweig der Habsburger. Als Philipp II. ab 1555 mit der Inquisition immer konsequenter gegen die seit der Reformation in den Niederlanden weit verbreiteten Anhänger der calvinistischen Religion vorging, kam es zu Aufständen, die schließlich in den 80-jährigen Krieg (1568–1648) um die Freiheit der Niederlande mündeten, da Spanien die außerordentlich wirtschaftskräftigen niederländischen Provinzen nicht aus seiner Oberhoheit entlassen wollte.

In dieser Situation war man in Madrid und am spanischen Statthalterhof in Brüssel natürlich an möglichst genauer Kenntnis der geografischen Verhältnisse in den aufständischen Provinzen interessiert, vor allem aber in ihren nordwestdeutschen Nachbarterritorien, von denen es in dieser Zeit noch kaum Kartenmaterial gab. Um Genauigkeit bemüht bereiste Sgroten mit seinen Messinstrumenten Nordwestdeutschland und geriet sogar einmal in den Verdacht der Spionage. Es entstanden als Sgrotens Hauptwerke zwei prächtige handgezeichnete Atlanten, 1572/1573 der „Brüsseler Atlas“ mit Karten des mitteleuropäischen Raumes und 1592 der „Madrider Atlas“ mit Weltkarten und Karten Europas. Beide Atlanten, später nach ihren Aufbewahrungsorten so benannt, wurden als kriegswichtige geheime Dokumente unter Verschluss gehalten und später vergessen. Über Jahrhunderte unbekannt, wurde der „Brüsseler Atlas“ 1859 wieder entdeckt, der „Madrider Atlas“ sogar erst 1892.

Die Karte des Bistums Münster im „Brüsseler Atlas“ (Größe des Originals 45 x 61 cm, Maßstab 1 : 230.000) ist nordorientiert, hat kein Gradnetz, zwei Meilenmaßstäbe und einen Wegstunden-Maßstab. Sie ist prächtig koloriert. Das eigentliche Thema der Karte ist das Hochstift Münster. Die benachbarten Territorien sind nur angedeutet. Neben bedeutenden Städten sind u.a. kleine und kleinste Orte, Klöster, Schlösser, Burgen und Brücken eingetragen und durch unterschiedliche Signaturen gekennzeichnet. Die Ortsbezeichnungen sind niederländisch. Die Wasserläufe, die das Gerippe der Karte bilden, sind unnatürlich stark geschlängelt. Über Geländeerhebungen geben farblich schön gestaltete „Maulwurfshügelsignaturen“ Auskunft. Bodenbedeckungen sind durch Baumgruppen charakterisiert.

Obwohl Sgroten Nordwestdeutschland selbst erkundet hat, enthält die Karte viele Fehler, die möglicherweise auf der Benutzung falscher Quellen – z.B. ältere Karten oder Koordinatentabellen –beruhen. Die Mängel der Karte werden aber aufgewogen durch ihre virtuose künstlerische Gestaltung.

WESTPHALIAE TOTIVS FINITIMARVMQVE REGIONVM ACCVRATA DESCRIPTIO

(Genaue Beschreibung ganz Westfalens und der angrenzenden Gebiete)

In seiner Funktion als Kartograf im Auftrag des spanischen Königs erstellte Christian Sgroten Anfang der 1560er Jahre eine Karte des Westfälischen Reichskreises, die auch gedruckt wurde. Von den ersten Ausgaben dieser Karte ist kein Exemplar erhalten. Die hier gezeigte verkleinerte Wiedergabe erschien in dem Additamentum II (Ergänzung II) der 1580 herausgebrachten neuen Ausgabe des „Theatrum“ des Abraham Ortelius.

Das Gerippe der Karte bildet das Gewässernetz. Die Wasserläufe der Karte sind unnatürlich stark geschlängelt, über Geländeform und Bodenbedeckung sagt die Karte nichts aus. Orte werden entsprechend ihrer Größe und Bedeutung unterschiedlich gekennzeichnet. Die Ortsnamen sind in deutscher oder flämischer Sprache bezeichnet. Ein Gradnetz ist nicht vorhanden, dafür ein dreifacher Meilenmaßstab. Die Himmelsrichtungen sind an den Kartenrändern in lateinischer Sprache mit Großbuchstaben angegeben. Die Territorialgrenzen erscheinen als gepunktete Linien, die Namen der Territorien sind deutsch-lateinisch in großer und gesperrter Schrift deutlich hervorgehoben. Auch bei dieser Karte unterstützt bei dem Exemplar des Stadtmuseums die per Hand nachträglich erfolgte Kolorierung die Übersichtlichkeit der Karte in Bezug auf die Territorien.

Die Rückseite ist bedruckt mit einem lateinischen Text über Westfalen, der mit dem – wie der Text sagt – häufig zitierten Sprichwort über diese Region endet: Hospitium vile, Cranck broot, dun bier, langhe mile, Sunt in Westphalia; Qui non vult credere, loop da. (Schlechte Herberge, grobes Brot, dünnes Bier, lange Meilen gibt es in Westfalen; wer es nicht glauben will, laufe da.)

Heinrich Nagel Habes hic candide lector exactam Westphaliae descriptionem …

(Hier hast du, werter Leser, die genaue Beschreibung Westfalens …)

Die Tätigkeit des Entwerfers dieser Karte, Heinrich Nagel, ist von 1590 bis nach 1600 nachweisbar. Sonst ist nichts über ihn bekannt. Seit ca. 1590 war er Mitarbeiter des von 1587 bis 1604 in Köln tätigen historisch-geografischen Schriftstellers Matthias Quad. 1592 gab Quad zusammen mit dem Kupferstecher, Verleger und Buchdrucker Johann Bussemacher einen kleinformatigen Atlas mit dem Titel „Europae totius terrarum partis praestantissimae, universalis et particularis descriptio“ (Vortrefflichste Beschreibung aller Länder Europas, sowohl im Ganzen als auch in Teilen) heraus. Eine weitere Auflage erschien 1594. Für diesen Atlas zeichnete Heinrich Nagel neben anderen Karten diese 1590 datierte Westfalenkarte, die von Johann Bussemacher gestochen wurde. Der Atlas von Quad und Bussemacher ist ein typischer Vertreter für kleinformatige Kartensammlungen, die in dieser Zeit in größerer Zahl erschienen und den Bedarf eines offenbar interessierten, aber weniger zahlungskräftigen Publikums deckten.

Die Karte ist ostorientiert, mit drei Meilenmaßstäben versehen, aber ohne Gradnetz. Die Bezeichnungen der Himmelsrichtungen stehen in deutscher Sprache an den Kartenrändern. Die Auswahl des eingezeichneten Gewässernetzes entspricht jener der Karte von Gottfried Maschop aus dem Jahr 1568. Nur wenige Hügelsignaturen deuten Geländeerhebungen an, einige Baumsignaturen weisen auf Bodenbedeckung durch Wälder hin. Es sind viele Orte eingezeichnet und diese in ihrer Größe und Bedeutung durch unterschiedliche Signaturen und differenzierte Schriftgrößen kenntlich gemacht. Die Territoriengrenzen sind mit gepunkteten Linien angegeben, die Namen der Territorien – in deutscher Sprache – unterscheiden sich in Größe und Typographie von den anderen Bezeichnungen. Insgesamt wirkt aber die kleine Karte durch die verhältnismäßig großen Schrifttypen überladen und unübersichtlich.

Die Rückseite ist mit einem beschreibenden lateinischen Text bedruckt.

Gerhard Mercator

Der berühmteste Kartograf der frühen Neuzeit, Gerhard Mercator, wurde am 5. März 1512 in Rupelmonde (Ostflandern) geboren. Von 1530 bis 1532 studierte er an der Universität Löwen. 1541 brachte er einen Erdglobus heraus, der sich gut verkaufte. Einer Anklage wegen Ketzerei 1544 folgte eine kurze Haftzeit. 1552 verließ er Flandern, als der klevische Herzog Wilhelm die Gründung einer Universität plante und ihm eine Professorenstelle anbot, und zog mit seiner Familie nach dem von religiöser Toleranz geprägten Duisburg. Zwar kam die Universitätsgründung nicht zu Stande, aber ein akademisches Gymnasium wurde aufgebaut, an dem Mercator 1559 bis 1561 Mathematik und Kosmografie lehrte. 1563 ernannte ihn Herzog Wilhelm zu seinem Kartografen.

Mercators berühmtestes Werk, der „Atlas sive Cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura“ sollte – wie der Titel „Atlas oder kosmografische Überlegungen über die Erschaffung der Welt und die Form des Geschaffenen“ aussagt – viel mehr werden als eine umfangreiche Kartensammlung, wurde aber nie vollendet. Nur den als ursprünglich fünfter Teil des ganzen Werkes vorgesehenen, die Erde beschreibenden Kartenband, schloss er fast ab. Die Publikation begann 1578 mit einer Ausgabe der verbesserten antiken Karten des Ptolemäus. Es folgten in drei weiteren Lieferungen 1585 16 Karten von Frankreich und der Schweiz, 9 Karten der Niederlande und 26 Karten deutscher Länder, schließlich 1589 noch 22 Karten von Italien, dem Balkan und Griechenland. Als Mercator am 2. Dezember 1594 starb, waren weitere 29 Karten der Britischen Inseln und von Nordost- und Osteuropa fertig. Sein Sohn Rumold ergänzte das Kartenwerk durch eine Weltkarte, eine Karte von Europa sowie Karten von Afrika, Asien und Amerika und gab das Gesamtwerk seines Vaters 1595 in einer vollständigen Ausgabe heraus.

1604 verkauften Mercators Erben die Kupferplatten an den Amsterdamer Kupferstecher, Kartografen und Verleger Jodocus Hondius, der ab 1606 den Atlas Mercators in ständig überarbeiteten Auflagen herausgab. Der Atlas war so erfolgreich, dass er bereits 1607 zum ersten Mal als verkleinerte Ausgabe erschien.

Westfalia secunda tabula

(zweite Westfalenkarte)

Das Bistum Münster findet sich im Kartenwerk des Gerhard Mercator auf der zweiten Westfalenkarte (Westfalia secunda tabula). Die Karte ist nordorientiert und hat an den Rändern das Gradnetz und unten rechts einen einfachen Meilenmaßstab. Die Angabe der Himmelsrichtungen befindet sich in lateinischer Sprache an den Kartenrändern. Das Gerippe wird von einem sehr detaillierten Gewässernetz gebildet. Die meisten Ortschaften sind als Kreise eingetragen, nur wenige größere oder wichtige Orte haben Ansichtssignaturen. Typografisch werden große und kleine Orte nicht voneinander unterschieden. Bodenerhebungen werden durch die damals üblichen „Maulwurfshügel“ gekennzeichnet, an einigen Stellen gibt es Signaturen für die Bodenbedeckung wie Wälder und Moore. Die Grenzen der Territorien sind als feine gestrichelte Linien eingetragen, ihre Namen (lateinisch) durch größere Schrift hervorgehoben. Durch den sehr sparsamen Einsatz unterschiedlicher Signaturen, Schriftgrößen und -arten wirkt die Karte ruhig und außerordentlich übersichtlich.

Wie kein anderer deutscher Kartograf dieser Zeit hat Mercator alle ihm erreichbaren Quellen für seine Karten benutzt und war durch mathematische Berechnungen um Genauigkeit im Gradnetz bemüht. Trotzdem weisen auch seine Karten Ungenauigkeiten auf.

Westfaliae tabula. II.

aus: Atlas Minor Gerardi Mercatoris à J. Hondio plurimis aenais tabulis auctus atque illustrates
(verkleinerter Atlas des Gerhard Mercator, von J. Hondius um viele in Kupfer gestochene Karten vermehrt und verlegt)

Die prächtigen großen Atlanten waren teuer und erwiesen sich auf Reisen als unhandlich. Deshalb wurden kleinere Kartensammelwerke im Taschenformat produziert. Außerdem waren die rückseitigen lateinischen Texte nur für Gelehrte, nicht aber für Kaufleute verständlich. Deshalb erschienen sowohl die großen als auch die kleinen Atlanten sehr bald mit Rückentexten in verschiedenen Landessprachen.

Selbstverständlich litt die Qualität der Karten erheblich, wenn sie in verkleinertem Maßstab nachgestochen wurden. Das macht der Vergleich zwischen der Westfalenkarte aus dem großen Atlas des Gerhard Mercator mit der nach diesem Vorbild ohne Kenntnis des Landes nachgestochenen Karte aus dem „Taschenatlas“ des Jodocus Hondius ganz deutlich: So sind weniger bedeutende Orte weggelassen. Allerdings sucht man sogar – das wohl aus Versehen vergessene – Osnabrück, die Hauptstadt des gleichnamigen Bistums, vergeblich. Die bei Mercator deutlich eingezeichneten Heide- und Moorgebiete werden hier wie Territorien mit gestrichelten Linien begrenzt, bleiben aber unbenannt, werden also zur Terra incognita und lassen den Betrachter (oder Reisenden) ratlos ob ihrer Bedeutung.

Johannes Gigas

Die detailreichsten und genauesten frühen Karten des Bistums Münster schuf Johannes Gigas. Er verfolgte – nachvollziehbar, wenn man sich z. B. an der oben beschriebenen Karte des Hondius orientiert – den Ansatz, die Adressaten seiner Karten mit ihrem eigenen Land bekannt zu machen, wenn er im Vorwort zu seinem sogenannten Kölner Atlas von 1620 schrieb, dass es nach der Flut oft ungenauer Karten der Antwerpener und Amsterdamer Verleger nötig sei, neue und exaktere Karten einzelner Territorien anzufertigen, um das eigene Heimatland besser kennen zu lernen.

Johannes Gigas (latinisiert von Reese oder Riese) wurde um 1580/1582 in Lügde, einem Ort im Weserbergland südlich von Bad Pyrmont geboren. 1597 immatrikulierte er sich an der Universität Helmstedt. Nach Studienaufenthalten in Wittenberg, Basel, Padua und Rom promovierte er 1603 zum Doktor der Medizin in Basel. Noch vor seiner Promotion heiratete er 1603 in Metelen im Westmünsterland Maria von Dorsten. Wahrscheinlich stand er damals schon in Kontakt zum gräflich Bentheimischen Haus. 1607 wurde er von den Grafen von Bentheim als Professor für Mathematik und Medizin an die Hohe Schule in Burgsteinfurt berufen, und es wurde ihm 1609 ein Privileg zur Einrichtung einer Apotheke an der Schule erteilt. Mit der Apotheke gab es immer wieder Schwierigkeiten und schließlich verkaufte Gigas sie. Von 1610 bis 1613 war er Prorektor der Burgsteinfurter Schule, kam aber seinen Verwaltungsgeschäften nicht ordnungsgemäß nach und geriet privat in Schulden. 1614 kam es zu Streitigkeiten mit dem gräflichen Haus, und er wurde entlassen, hielt sich aber noch bis 1615 in Burgsteinfurt auf.

1615 oder 1616 trat er als Leibarzt in den Dienst des Kölner Erzbischofs Ferdinand von Bayern, der gleichzeitig auch Bischof von Münster, Lüttich und Hildesheim, seit 1618 auch von Paderborn war, und zog 1616 – erstaunlicherweise trotz seines Zerwürfnisses mit der gräflich Bentheimischen Familie – nach Münster in deren Stadthaus, den sog. Bentheimer Hof am heutigen Schlossplatz. Er trat zum katholischen Glauben über. Der genaue Zeitpunkt dafür ist bisher nicht feststellbar. Seine erste bekannte Karte, eine Schaukarte des Bistums Münster, schuf er 1616. Sein kartografisches Hauptwerk, ein Atlas der Territorien seines Dienstherren Ferdinand von Bayern, entstand 1620. 1622 wurde er Bürger der Stadt Münster. Bis 1631 bezog er als Leibarzt des Erzbischofs jährlich ein festes Gehalt. Sein Todesdatum ist nicht bekannt. Er wird um das Jahr 1637 gestorben sein.

Mit einer außerordentlich prächtigen Schaukarte, gedruckt bei Lambert Raesfeld in Münster 1616, präsentierte sich Johannes Gigas seinem neuen Dienstherrn, dem Kölner Erzbischof, Bischof von Münster, Lüttich und Paderborn als Kartograf. Ausdrücklich ist ihm die Karte gewidmet. Sie trägt den Titel „EPISCOPATVS MONASTERIENSIS DESCRIPTIO NOVA Ioan Gigante D Med et Mathem auctore“ (Neue Beschreibung des Bistums Münster, Verfasser Johannes Gigas, Doktor der Medizin und Mathematik) und ist 112 x 130 cm groß. Von ihr ist nur ein einziges Exemplar erhalten, dass sich im Hessischen Staatsarchiv Marburg befindet (Signatur P II 3837).

Das als Wandschmuck gedachte Werk, zusammengesetzt aus zehn Druckplatten und dem aus 15 Teilen zusammengefügten Ornamentrahmen, bietet dem Fürsten (und jedem Betrachter) weit mehr als eine Darstellung der Geografie des Landes: Der Rahmen aus Textfeldern, Wappen, allegorischen Darstellungen und Stadtansichten gibt landeskundliche Hinweise zur Beschaffenheit, Bevölkerung und Geschichte des Bistums, außerdem über die Leistungen der Bischöfe für ihr Territorium.

Aber auch die Karte selbst bietet Informationen, die den älteren Karten nicht zu entnehmen waren. Das Gewässernetz ist weit vollständiger. Ämtergrenzen sind eingetragen, ebenso die festen Burgen des Landes und viele Adelssitze. Besonders sorgfältig hat Gigas die Klöster berücksichtigt. An der Signatur ist erkennbar, ob es sich um ein Frauen- oder Männerkloster handelt und zu welchem Orden es gehört. Bei den Frauenklöstern wird genau unterschieden, ob ihre Insassinnen adlige Stiftsdamen oder Nonnen sind. Zu diesen Hinweisen, die den unterschiedlichen Signaturen zu entnehmen sind, kommen zu einigen Orten als Spezialität der Karten des Gigas noch kleine Texte, die Informationen zu historischen Ereignissen oder besonderen Gegebenheiten liefern.

Johannes Gigas gab seinem Landesherrn mit dieser Karte einen vielfältig nutzbaren Überblick über sein Herrschaftsgebiet.

Ansichten der Städte Coesfeld, Warendorf, Bocholt, Borken und Beckum

Das Fragment mit den fünf Stadtansichten stammt aus der Städtetafel des Rahmens der großen Schaukarte des Johannes Gigas von 1616. Sie zeigt Darstellungen der 13 landtagsfähigen Städte des Oberstiftes. Mit Ausnahme der Ansicht von Münster sind Vorbilder zu diesen Stadtansichten nicht bekannt. Sie scheinen extra für die Schaukarte angefertigt worden zu sein. Wahrscheinlich ist, dass diese aus zwei Druckplatten zusammengesetzte Städtetafel auch unabhängig von der Karte einzeln in den Handel kam.

PRODROMVS GEOGRAPHICVS hoc est ARCHIEPISCOPATVS COLONIENSIS ANNEXARVMQ ET VICINARVM ALIQVOT Regionum descriptio nova / IOANNE GIGANTE D. MED. Et Mathem. Authore.

(Geografische Vorbemerkung, hier neue Beschreibung des Erzbistums Köln und der dazu gehörigen und einiger benachbarter Gebiete von Johannes Gigas, Doktor der Medizin und Mathematik)

Das kartografische Hauptwerk des Johannes Gigas, bekannt unter dem Namen Kölner Atlas oder Atlas des Gigas, erschien 1620. Der Druckort ist nicht bekannt: Vieles spricht aber für Köln. Wie die Schaukarte widmete er den Atlas ausdrücklich dem Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern. Der Atlas enthält drei Karten des Erzbistums Köln, eine Karte des Herzogtums Westfalen, eine Karte des Bistums Paderborn, eine Karte der Diözese Corvey und zwei Karten des Bistums Münster, außerdem landeskundliche Texte und Bischofs- bzw. Abtslisten zu den jeweiligen Territorien. Von diesem Atlas sind nur wenige erhaltene Exemplare bekannt.

Das Frontispiz stammt aus einer 1620 erschienenen, überarbeiteten Ausgabe des Städtebuches „Civitas orbis terrarum“ (Städte der Welt) von Georg Braun und Franz Hogenberg, und zwar handelt es sich nicht um einen Nachstich, sondern um einen Abdruck von der originalen Platte, auf den der Titel des Kartenwerks von Gigas aufgeklebt wurde.

Stadtansichten von Münster, Osnabrück und Wesel aus dem Atlas des Johannes Gigas

Genau wie das Titelblatt erwarb Johannes Gigas diesen Druckbogen mit den Stadtansichten von Münster, Osnabrück und Wesel neben weiteren Bögen mit Stadtansichten von Hogenberg, um sie für sein Kartenwerk zu verwenden.

Pauluskarte des Bistums Münster aus dem Atlas des Johannes Gigas

Die genordete Karte des Bistums Münster ist in ein Brustbild des Bistumspatrons Paulus eingefügt. Die Ränder der Figur begrenzen den Kartenausschnitt, Nachbarterritorien sind nicht als Karten dargestellt, sondern werden nur durch Wappen angedeutet. Weder Gradnetz noch Maßstäbe sind vorhanden. Am rechten und linken Bildrand befinden sich Kartuschen, die allerdings bis auf die ganz rechts unten leer sind. In dieser Kartusche steht die Widmung des Gigas an den Erzbischof Ferdinand von Bayern

Es handelt sich um eine reine Schmuckkarte, ihr kartografischer Wert für die Landesbeschreibung, um die sich Gigas bei seinen Atlaskarten so außerordentlich bemühte, ist sehr gering. Das Exemplar des Fördervereins des Stadtmuseums e.V. ist in den Atlas eingebunden. Auch in einigen anderen Exemplaren des Atlasses ist sie zu finden, liegt aber auch als Einzelblatt vor. Das Blattmaß entspricht nicht ganz den Blattmaßen des Atlas. Aus allen diesen Indizien ist zu schließen, dass sie nicht für den Atlas, sondern als selbstständiges Blatt geschaffen wurde.

EPISCOPATVS MONASTERIENSIS PARS AUSTRALIS

(Bistum Münster, südlicher Teil) aus dem Atlas des Johannes Gigas

EPISCOPATVS MONASTERIENSIS PARS SEPTENTRIONALIS

(Bistum Münster, nördlicher Teil) aus dem Atlas des Johannes Gigas

Die beiden Karten des Bistums Münster – südlicher und nördlicher Teil – aus dem Atlas des Johannes Gigas sind nordorientiert, haben ein Gradnetz und einen Wegstundenmaßstab („Itinera horaria – Uhren gaens“). Der Maßstab ist 1:250.000. Die Himmelsrichtungen sind auf den Kartenrändern in lateinischer Sprache angegeben. Grenzen von Territorien und Ämtern sind als gepunktete Linien eingetragen. Für Geländeerhebungen stehen die „Maulwurfshügel“ und die Bodendeckung ist durch Baumsignaturen gekennzeichnet. Gegliedert werden die Karten vom Gewässernetz. Orte sind je nach Bedeutung mit unterschiedlichen Signaturen eingetragen. Typographisch unterscheiden sie sich voneinander: Namen der an das Bistum Münster angrenzenden Territorien, Namen der einzelnen Ämter des Bistums, Namen großer Orte, Namen kleiner Orte. In einem Punkt bieten diese Karten mehr Informationen als die Schaukarte von 1616, die als kartografische Vorlage für die beiden Blätter des Atlas diente: In diesen Karten sind wichtige Fernstraßen eingetragen, eine Neuheit für Karten dieser Zeit. Hier wird noch einmal die Absicht Gigas’ deutlich, auf seinen Karten möglichst viele Informationen zu der abgebildeten Region zu geben.

Wie auf der Schaukarte von 1616 sind auch auf diesen beiden Blättern die Klöster mit unterschiedlichen Signaturen eingetragen und ermöglichten dem geistlichen Landesherren einen genauen Überblick über die Ordensniederlassungen in seinem Territorium.

[EPI]SCOPATVS MONASTERIENSIS PARS AVSTRALIS AVCTORE IOANNE GIGANTE D MEDICO ET MATH[M]

(Bistum Münster, südlicher Teil, Verfasser Johannes Gigas, Doktor der Medizin und Mathematik)

Die Karte entspricht in Gliederung und Signaturen der Karte des südlichen Teiles des Bistums Münster aus dem Atlas. Nur auf die Einzeichnung der Straßen hat Johannes Gigas hier verzichtet.

Lange war nur ein Exemplar dieser Karte bekannt, das sich im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster als Altbesitz des Altertumsvereins befindet. Es ist oben beschnitten, so dass die Titelleiste fehlt. Diese Karte konnte Gigas bisher nur zugeschrieben werden. Das zweite Exemplar der Karte, das das Stadtmuseum 2009 erwerben konnte, hat die Titelleiste, die die Autorschaft des Gigas sichert, dafür ist sie rechts und links leicht beschnitten.

Zu welchem Zweck Gigas diese Karte drucken ließ, ist nicht bekannt. Vielleicht wollte er eine Neuauflage des Atlas’ herausbringen, und das Projekt blieb dann in den Anfängen stecken.

Auch die sorgfältigen und übersichtlichen Karten des Johannes Gigas wurden im 17. Jahrhundert und darüber hinaus immer wieder in die Kartenwerke niederländischer Verleger aufgenommen, teilweise mit Angabe des Autors, teilweise ohne. Hier soll zum Schluss nur ein Beispiel dieser Nachstiche vorgestellt werden:

MONASTERIENSIS Episcopatus Auctore Joh. Gigante Medico et Mathematico

(Bistum Münster, Verfasser Johannes Gigas Arzt und Mathematiker)

Die westorientierte Karte fasst die beiden Teilkarten des Gigas – südlicher und nördlicher Teil des Bistums Münster – zusammen. Sie hat ein Gradnetz, einen Meilenmaßstab und einen Wegstundenmaßstab. Bodenerhebungen sind mittels wenig differenzierter „Maulwurfshügelsignaturen“, Bodenbedeckung durch verstreute Baumsignaturen angedeutet. Einzig Moorflächen sind deutlich erkennbar herausgehoben. Unten links hat die Karte eine kleine Legende.

In der Kartusche oben rechts ist als Autor der Karte Johannes Gigas angegeben, in einem kleinen Rahmen unten links, dass sie bei Willem Janszoon Blaeu erschienen ist, einem Amsterdamer Kartografen und Verleger, der sein Kartenwerk „Theatrum Orbis Terrarum, sive Atlas Novus“ (Schauplatz / Abbild der ganzen Welt oder Neuer Atlas)1635 zum ersten Mal herausbrachte.

Alle hier vorgestellten Karten wurden vom Stadtmuseum Münster in der Ausstellung „Das ganze Land auf einen Blick – Frühe Karten des Bistums Münster“ vom 10. Mai bis zum 7. September 2014 gezeigt.

 

Literatur:

Joseph Prinz, Die ältesten Landkarten, Kataster- und Landesaufnahmen des Fürstentums Osnabrück, Teil I, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, Bd. 63, 1948, S. 251 – 302.

Josef Engel, Karten des westfälischen Raumes aus dem 16. Jahrhundert. Eine kritische Besprechung mit Untersuchungen über die Genauigkeit der Karten, in: Westfälische Forschungen, Bd. 10, 1957, S. 99 – 120.

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